Orkney – Tag 10

Ein weiterer Tagesausflug auf eine andere Insel stand an, wir hatten Tickets für die Fähre nach Westray, einer nordwestlichen Insel der Orkneys, diesmal mit Auto, weil die Insel schon etwas größer ist. Die Überfahrt führte gut anderthalb Stunden durchs Archipel, bis wir an der Südspitze Westrays ankamen. Unser erstes Ziel war ein nur wenige Kilometer entfernter Küstenabschnitt, mit dem vorgelagertem Felsen Castle O’Burrian, einem der erstaunlich wenigen Orte der Orkneys, an dem zuverlässig Papageitaucher brüten. Nun, es war später Vormittag, und auch wenn draußen auf dem Wasser ein paar von ihnen dümpelten, war von Puffins an Land fast nichts zu sehen. Ein Paar, das mit uns auf der Fähre war, klärte uns auf, dass sie hauptsächlich früh morgens oder abends zu sehen seien, wenn sie noch an ihrer Höhle oder nach Fischfang wieder zurück an Land wären. Ich nehme an, sobald ihre Jungen geschlüpft sind, würde auch tagsüber mehr Betrieb herrschen. Immerhin konnten wir ein paar von ihnen mit dem Fernglas beobachten, aber wie letztes Jahr schon befürchtet, hatten die uns die Flannan Isles in punkto Puffin-Erlebnis wohl für immer versaut.

Wir fuhren weiter zum landschaftlichen Höhepunkt von Westray, den Klippen von Noup Head, einer der größten Seevogelkolonien Großbritanniens. Für den mehrstündigen offiziellen Wanderweg entlang der Küste war die Zeit etwas knapp, so fuhren wir mit unserem Mietauto in Richtung des Leuchtturms. Auf dem Weg wurde die Schotterstraße immer welliger, so dass nicht nur die Steinchen in den Radkästen prasselten, sondern wir irgendwann sogar mit dem Unterboden aufsetzten. Da unser kleiner Seat Mii recht neu und die Mietwagenfirma offenbar recht pingelig war, wollten wir nichts weiter riskieren und gingen die letzten zwei Kilometer zu Fuß. Nach einem Picknick am Leuchtturm liefen wir die Felskante entlang, um an jeder Ecke Blicke auf die gewaltige Seevogelstadt zu werfen können: Tausende von Basstölpeln, Lummen, Dreizehenmöwen und Tordalken, die auf den schmalen natürlichen Balkons der bis zu 75 Meter hohen Felsen hockten, balzten, stritten, Nester bauten und sich fortpflanzten. Was für ein Erlebnis.

Der Weg zurück zum Auto war länger als gedacht, auch weil wir erst zurück zum Leuchtturm und dem Kissing Gate mussten, wenn wir nicht über Stacheldrahtzäune steigen wollten. Jetzt wäre ein Kaffee gut gewesen, aber irgendwie gab es nirgends eines, nicht einmal im Hauptort Pierowall. Überhaupt war die Atmosphäre der Insel völlig anders als North Ronaldsay drei Tage zuvor, irgendwie verschlossen, abweisender. Es blieb noch eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt der Fähre, was uns zu knapp schien, um noch mal bei den Papageitauchern vorbeizuschauen. Daher fuhren wir durch bis zum Hafen, wo man immerhin in einem urigen Laden auch einen Kaffee bekommen konnte. Dort unterhielten wir uns ganz hervorragend mit dem kauzigen Inhaber, einem Fotografen, bis schließlich die Fähre kam.

Die Rückfahrt verbrachte ich komplett an Deck, in einer windgeschützten Ecke bei Abendlicht unter Wolkenschleiern, und offen für Vögel (oder sogar Delfine..?) die uns unterwegs begegnen würden. Naja, Delfine gab es keine, aber dafür jede Menge Seeschwalben und andere Vögel und schließlich kurz vorm Ziel auch ein seit Tagen erhoffter Eistaucher mit seinem 50er-Jahre-Dekor.

Am Hafen in Kirkwall ganz hervorragende Fish&Chips gekauft und auf der Mauer in der Abendsonne verspeist. Zurück nach Hause und noch eine Weile aus den hunderten Fotos des Tags schon mal jede Menge gelöscht.

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