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Tag 20: letzter Tag

Frühsport verpennt – wenn sich mein Stoffwechsel irgendwie umgestellt hat, dann auf jeden Fall auch in punkto Alkohol. Dass ein Viertel Wein so reinhaut…

Nochmal ein zusammenfassender Vortrag dazu, wie wir unsere persönlichen körperlichen Themen in unseren Trainingszielen in Zukunft berücksichtigen und einbauen sollten, also z. B. bei orthopädischen Problemen, Blutdruckproblemen usw. Die letzte Gymnastik-Einheit, die zur Hälfte aus Jongleur-Vorstufen bestand, mal mit dünnen Tüchern, mal mit Tennisbällen. Macht sehr viel Spaß.

Nach dem Mittagessen eine letzte Wanderung mit anschließender Einkehr. Da sich die Blasen an beiden Füßen vom Vortag nicht in Luft aufgelöst haben, entscheide ich mich für die langsame Gruppe, die zwar auch 10 km läuft, aber dafür ohne steile Bergab- oder Bergaufstrecken, und wir landen zum Schluss wieder in der Brauereigaststätte von einer Woche zuvor. Diesmal gönne ich mir eine Kirschtorte, damit die zweite während meines Aufenthalts. Köstlich.

Abendessen, wir bekommen unsere Arztbriefe, die ersten checken aus, anderen stehen Schlange am Hotelcomputer, um sich die Fotos aus ihrer Gruppe auf Sticks zu ziehen, und wieder andere sitzen vermutlich noch einmal in der Sauna. Die Möwe kommt nach ihrem Tag in Freiburg kurz auf einen Espresso vorbei, und morgen werden wir gemeinsam zurück nach Hause fahren, wo schon am Donnerstag ganz normal das Büro auf mich wartet.

Das Training war in vielerlei Hinsicht gut und wichtig für mich. Zunächst einmal habe ich ganz praktisch meine Fitness verbessert, und zwar deutlich von der schlechtesten in die mittlere Stufe – wenn man die Einteilung nach dem Fitness-Index zugrunde legt. Noch wichtiger aber war, ein neues Verständnis und Gefühl für meinen Körper zu bekommen, Erfolgserlebnisse in punkto Ausdauer und Kraft, klare Erkenntnis was ich tun muss, um die Wahrscheinlichkeit für Rückenprobleme wie z.B. die letztes Jahr im Schottlandurlaub zu verhindern, und letztlich durch das alles auch Spaß an Bewegung und daran, körperlich gefordert zu werden, etwas das sehr tief vergraben war. Der Zeitpunkt hätte auch beruflich kaum idealer sein können, ich habe es geschafft, nicht einmal an Probleme im Büro zu denken, und der Einsatz von 9 Urlaubstagen meinerseits war mehr als angemessen und fair. Ach ja, abgenommen habe ich auch, mehr als 4 kg, aber ohne dass es ein echtes Ziel gewesen wäre, und ohne auf etwas zu verzichten, was ich gerne esse – allein durch „aufhören zu essen, wenn ich satt bin“ bzw. von vorneherein auf meinen echten Hunger begrenzte Mengen, was nämlich meist nur 2/3 bis 3/4 der üblichen Portion „voller Teller“ ist. Und durch den Dauersport, natürlich.

Meine drei Ziele (Ausdauer, Kraft/Beweglichkeit, aufs Sattsein hören) müssen jetzt in die alltägliche Routine wandern. Das wird sicher nicht immer einfach, aber sicher auch Freude machen, denn ehrlich gesagt sehne ich mich schon seit Jahren nach einem erfüllenderen Tagesablauf, wo der täglichen mentalen Erschöpfung durch die Arbeit nicht mehr nur das völlige Abhängen an Abenden und Wochenenden gegenübersteht.

Tag 19: aufs Ende zu

Der vorletzte Tag des Trainings begann wie immer mit Frühsport. Nach dem Frühstück ging es zum Sportplatz, um zum zweiten Mal unseren Fitnessindex zu bestimmen, mit dem das Training vor knapp drei Wochen begonnen hatte. Zwei Kilometer schnell gehen und den Puls am Ziel festhalten. Ich war gegenüber dem ersten Test eine ganze Minute schneller und mein Schlusspuls lag 25 Schläge niedriger. Eine weitere Bestätigung, was die letzten Wochen mit meinem Körper Gutes angestellt haben.

Eine Stunde Wassergymnastik, auch wie am Anfang, nur dass ich diesmal überhaupt nicht in die Nähe echter Anstrengung für den Kreislauf kam. Von anderem Kaliber war dann schon die Rundwanderung am Rappenfelssteig, die zwar mit 10 km in zwei Stunden nicht sonderlich lang war, aber die 350 Höhenmeter auf den letzten zwei Kilometern waren grenzwertig. Aber gut, heute hatte ich mir bewusst die schwierigere Gruppe ausgesucht um zu sehen, wo ich stehe, und letztlich bin ich zwar mit hängender Zunge, aber dennoch ohne Blessuren durchgekommen. Bis auf die beiden Blasen am Fuß, nachdem die Fußbetteinlage der Wanderschuhe ausgerechnet heute entschieden hat, aufzugeben sich aufzulösen. Die Landschaft war, etwas eingetrübt vom diesigen Wetter, wieder fabelhaft, vor allem das dunkle, schattige und komplett übermooste Schwarzatal hatte etwas Mystisches. (Leider ohne Foto.)

Das Abendessen war als Abschlussevent mit großem Buffet gestaltet mit anschließenden Spielen und Liedern, die wir Gruppen vorbereitet hatten, sowie Dank und kleinen Geschenken an die Sportlehrer*innen und beiden Studentinnen, die viele unserer Trainingsstunden gehalten hatten, und an Köche und Service für die gute Bewirtung. Lecker gegessen, viel gelacht und insgesamt gefreut für die durchweg gute und herzliche Atmosphäre unter den Teilnehmern in den drei Wochen. Morgen noch ein „normaler“ Tag mit üblichen Einheiten und einer weiteren Wanderung, dann ist das Training vorbei.

Tag 18: Titisee und Möwe

Nach Frühstück, Kirche (diesmal die im Ort selbst – Hilfe, was für ein schrecklich lauter Pfarrer) und Mittagessen über die Ankunft der Möwe gefreut, die jetzt in der Nähe zwei Tage Mini-Urlaub macht, bevor wir am Mittwoch zurückfahren. Gemeinsam in Titisee essen gewesen (Touri-Ort hoch ³, aber das kleine italienische Restaurant war anständig), einmal um den See herum gelaufen, zurück im Hotel über Twitter geseufzt, jetzt noch ein wenig Musik hören, dann ist die Woche zuende und die letzten beiden Tage des Gesundheitstrainings brechen an.

Tag 17: Erfolge und Nordic Walking

Nach Frühsport und Frühstück wieder Nordic Walking. Das heißt, es war als Wandern ausgeschrieben, aber uns ist immer freigestellt, ob wir die Stöcke mitnehmen oder nicht, und ich wollte wissen, wie gut es inzwischen klappt.
Was für eine Entwicklung in den zwei Wochen: Nicht nur war ich mühelos bei denen, die vorneweg liefen, auch meine Arme konnte ich voll einsetzen, und die teilweise starken und längeren Steigungen problemlos bewältigen, ohne aus der Puste zu kommen. Eines dieser Erfolgserlebnisse, die ich so dringend brauche, und nach dem ich verschwitzt, aber strahlend zurückkam (8 km in 90 Minuten).

Okay, Nordic Walking: Ich gehörte zu denen, die sich gerne darüber lustig gemacht haben, das habe ich in den Wochen hier abgelegt. Nicht nur, weil es Kraft erfordert und eine ernstzunehmende Ausdauersportart ist, wenn man die Stöcke richtig einsetzt, sondern auch durchaus ästhetisch aussehen kann, wenn man nicht nur aus den Unterarmen mit den Stöcken vorm Körper stochert, sondern mit gestreckten Armen die Stöcke weit nach hinten drückt, dass es quasi wie Skilanglauf aussieht. Mein Fazit:

Vorteile

  • Größerer Körpereinsatz inklusive Schultern und Armen, deren Muskeln dadurch auch trainiert werden
  • Je nachdem, wieviel Armkraft man hinzunimmt, kann man seine Belastung regulieren, z. B. um auch auf ebenen Strecken auf seinen Trainingspuls zu kommen
  • Potentiell schnellere Fortbewegung (wenn einem das wichtig ist)
  • Keine besondere Belastung der Knie, Gelenke und Bänder im Vergleich zum Joggen
  • Mit den Stöcken lassen sich auch eine Reihe guter Dehnungs- oder Gymnastikübungen machen

Nachteile

  • Auf Asphalt machen die Stöcke keinen Spaß, auch mit Gummistopfen statt Dorn rutschen sie leicht weg oder „stottern“ auf dem Untergrund (ganz besonders bei Split / Kies). Geschotterte Wege sind nicht viel besser.
  • Zwischen Gummi und Dorn wechseln zu müssen, ist jedesmal nervig
  • Wo hat man im städtischen Umfeld schon weichen Wald- oder Wiesenboden?
  • Auf engen Wanderwegen z. B. an Hängen oder Felsen sind Stöcke oft störend oder sogar gefährlich, wenn man mit ihnen hängenbleibt und stolpert
  • Die Stöcke sind prinzipiell erst einmal unhandlich zum Mitnehmen, und zusammenfaltbare sind teuer

Ich habe noch keine abschließende Meinung, ob ich zuhause auch Nordic Walking weiterführen will. Es hängt für mich vor allem davon ab, ob es geeignete Strecken in der Nähe gibt.

Am freien Nachmittag mit dem Bus nach Waldshut gefahren, der 600 Meter tiefer gelegenen Grenzstadt unten am Rhein. Nett und idyllisch, wenn man das Atomkraftwerk auf der Schweizer Seite gegenüber angestrengt ignoriert. Allerdings auch recht klein; die Altstadt besteht im Wesentlichen aus einer schmucken, breiten Straße zwischen zwei Stadttoren, die heute voll mit Foodtrucks und Leuten war, die den Samstag mampfend in der Frühlingssonne genossen. Ich beschränkte mich auf eine Kugel Eis und fuhr nach anderthalb Stunden wieder zurück zum Hotel und ließ den Tag nach dem Abendessen mit einer Runde Sauna und Musik auf den Ohren ausklingen. Morgen werde ich die Möwe nach zweieinhalb Wochen wiedersehen, darauf freue ich mich.