Schottland, Tage 14-16 und Schluss

von Barra nach Oban, über Canna und Tobermory/Mull
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Tag 14: von Barra nach Canna

Bei schönem Wetter ging es nach dem Frühstück über die hebridische See in Richtung der Small Isles (Canna, Rum, Eigg und Muck), und die in den vergangenen Tagen oft am Horizont zu sehenden Umrisse Skyes rückten wieder ganz nah, besonders wo wir uns jetzt südöstlich näherten, wo die Cuillins hoch hinausragen. Schon von weitem konnte man eine sehr isländisch anmutende Insel erkennen mit vergleichsweise niedrigem Tafelberg und Basaltsäulen. Im Wasser rundherum flogen und schwammen viele Atlantiksturmtaucher, die ich zuvor noch nirgends bewusst wahrgenommen hatte. Auf den Fotos wirkt ihr Gefieder wie Samt.

Canna inklusive ihrer gezeitenweise getrennten Schwesterinsel Sanday hat keine zwei Dutzend Einwohner, ein Café, drei Kirchen, einen Selbstbedienungsladen (honesty shop) und nur eine kurze Straße, die man auf Sanday auch nicht einmal als solche bezeichnen kann – eine bei Flut überspülte Schotterstrecke. Nur ein paar Mal die Woche geht eine Rundfähre nach Rum, Eigg, Muck und Mallaig. Wir liefen um die Bucht herum und über die kleine Brücke nach Sanday, immer die Kirche auf dem Hügel im Blick mit den großartigen Bergen der Nachbarinsel Rum dahinter. Hier war die Zeit irgendwie verlangsamt. Es gab nicht wenig friedliche Orte auf der Reise, aber das war der idyllischste von allen.

(Auch der Wikipedia-Eintrag zu Canna mit seinen Details über Inselleben und z. B. die bekämpfte Rattenplage ist lesenswert.)

Tag 15: von Canna nach Tobermory

Der Tag begann windig und die erste Passage nach Süden zwischen Sanday und Rum kamen uns ziemliche Wellen entgegen, so dass wir zum ersten Mal sicher sein konnten, dass unsere Seefestigkeit gegeben und nicht bloß den fast durchgehend ruhigen Gewässern seit St. Kilda geschuldet war. Rum wirkte im Vorbeifahren wild und schroff mit seinen bis auf 800 Meter hohen Bergen und seiner Quasi-Unbewohntheit. Man kann dort aber wohl übernachten (beziehungsweise: muss, weil nur wenige Fähren in der Woche fahren), und ich stelle mir vor, dass es ein wunderbarer Ort für einen abgeschiedenen Urlaub mit Wildnis ist. Nach den üblichen 4-5 Stunden Fahrt erreichten wir den Sound of Mull, wo sich die Wellen sofort legten, und schipperten gen Tobermory, unserem Tagesziel. EIne Meile vorher wurde das Schiff langsam; ich dachte, weil wir bald den Hafen erreichen, doch dann sah ich, dass alle an der rechten Reling standen und an Land schauten: Ein Seeadler und ein Jungvogel saßen am Ufer und flogen etwas hin und her.

Schon die ganze Fahrt über hieß es über jeden Ort, es gebe dort auch Seeadler und Steinadler (für den die Engländer den viel schöneren Namen golden eagle haben), vor allem die vogelverrückten, mit Ferngläsern und Bestimmungsbüchern bewaffneten Brüder waren auf ständiger Ausschau, und jeder kurz über einen entfernten Hügel kreisende Greifvogel wurde aufgeregt diskutiert. Nur aus der Nähe hatten wir keinen gesehen. Aber hier saß er nun, vielleicht nur 40-50 Meter entfernt, am letzten Abend unserer Reise. Majestätisch und von Natur aus grimmig blickend betrachtete er eine Weile das Ufer, schwang sich in die Luft um mit wenigen Schlägen seiner großen Flügel zum nächsten Aussichtspunkt zu fliegen. Wundervoll.

In Tobermory konnten wir an Land gehen, doch es schüttete und war kalt, so dass wir nach einmal hübsches Hafensträßchen hin und zurück wieder an Bord gingen, etwas Heißes tranken und ich eine lange und gute Unterhaltung mit Paul hatte, einem vermutlich Anfang-70jährigen Hornisten, der nach vielen Jahren als Ingenieur in seine Berufung, die Orchestermusik zurückgekehrt war. Das Dinner war gut, aber leider kein Höhepunkt wie wir erwartet hatten – die Webseiten suggerieren, es gebe auch mal so richtig Meeresfrüchte, aber das war auf unserer Fahrt nicht der Fall, obwohl die Hummer- und Krabbenkutter teilweise direkt neben uns in den Häfen festmachten, Skipper Tim kam wie jeden Abend zu Käse und Rotwein dazu, wir bedankten uns bei der Crew und redeten ein wenig darüber, was uns in der Woche unterwegs besonders gefallen hatte. Für mich waren das ganz klar St. Kilda mit seinen Vogelfelsen und Canna.

Tage 16-17: zurück nach Hause über Oban und Glasgow

Früh wurde der Motor angeworfen und es ging die letzten drei Stunden durch den Sound of Mull zurück nach Oban, begleitet von abwechselnden Schauern und Sonnenflecken.

Der Rest unserer Rückreise war nicht sehr berichtenswert – vielleicht abgesehen von der Zugfahrt durch die Highlands von Oban nach Glasgow, die als eigenes touristisches Event durchgehen können. Für Glasgow hatten wir nichts vorbereitet; da die Gepäckaufbewahrung sehr teuer war und wir kein echtes Ziel hatten, liefen wir halt einmal mit unseren Handgepäck-Rollkoffern die Buchanan Street und George Square ab. Aber wenn man sich nicht auskennt, hat es auch wenig Zweck, so fuhren wir mit einem Standard-Linienbus zum gebuchten Hotel, das sich zwar „Airport Hotel“ nannte, aber anderthalb Meilen entfernt in einem nur mittel-heimeligen Viertel von Paisley lag. Immerhin gab es einen guten Fish-and-Chips-Imbiss um die Ecke.

Die Nacht war eher anstrengend (ein Hotelzimmer direkt neben dem Hauseingang, d.h. Türklingel, Telefon, Rezeptionsgespräche, Türdonnern…), es ging schon früh um sieben mit dem Taxi zum Terminal, und da sich der Flug um eine Stunde verspätete, verpassten wir auch in Amsterdam den Anschluss und waren schließlich erst gegen sechs Uhr abends statt um zwei wieder zurück. Die Möwe hatte noch ein paar Tage Urlaub, aber da ich im Zuge des Gesundheitstrainings mein Jahreskontingent so weit aufgebraucht hatte, dass es nur noch für Weihnachten reicht, musste ich direkt am Mittwochmorgen schon wieder ins Büro.

Seitdem bin ich immer noch mit einem Bein und halbem Kopf in Schottland (wogegen das Foto-Sortieren und die Blogeinträge natürlich wenig geholfen haben) und kann es kaum erwarten, irgendwann wieder dorthin zu kommen.

[Northern Light Cruising, verschiedene mehrtägige Schiffsreisen rund um die Hebriden von Oban aus, jährlich zwischen April und September. Keine Hochglanz-Kreuzfahrten, sondern Touren mit verantwortungsvollen Leuten, die das aus Leidenschaft machen. Für uns war es genau das Richtige. Für diese Werbung bekomme ich übrigens nichts.]

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